Ein Rückblick auf ein Jahr ohne Berufsschulhalle

Wir haben es damals nicht für möglich gehalten.
Ich war gerade auf der Fahrt in den Urlaub 10 km vor der österreichischen Grenze als mich ein Redakteur der WZ anrief und mir mitteilte, dass der Kreis Viersen wohl gerade beschlossen hätte, die Halle des Rhein-Maas-Berufschulkollegs als Flüchtlingsunterkunft für ca. 300 Flüchtlinge zu benutzen, und zwar voraussichtlich bis Ende Februar 2016.

Der Anruf kam am Freitag, dem 11.9.2015 gegen 17 Uhr, unsere 1. Mannschaft musste gleichzeitig darum kämpfen, ihr Meisterschaftsspiel noch austragen zu können, da schon die ersten Umbauarbeiten beginnen sollten. Und sie war dann damit beschäftigt, unsere Trainingsutensilien aus der Halle zu retten, denn ab Montag, dem 13.9.2015, war die Halle für uns nicht mehr zugänglich.

Das war für uns insbesondere deshalb dramatisch, da für unseren Trainingsbetrieb ausschließlich diese Halle zur Verfügung stand.

Nach erstem Bekunden unseres Entsetzens an diversen Stellen folgten zahlreiche Gespräche mit dem Schulverwaltungs- und Sportamt Kempen sowie Vertretern anderer Sportvereine mit dem Ziel, irgendwie und irgendwo Ersatztrainingszeiten zu organisieren.

Nach wochenlanger Arbeit hatten wir dann einen Ausweichplan erstellen können.
Die vorher kompakten Trainingszeiten in einer einzigen Halle mit 8 Spielfeldern verteilten sich nun auf 16 Zeitintervalle in vier verschiedenen Hallen , die jeweils nur 2 oder 4 Spielfelder boten.
Es musste nicht nur der Plan aufgestellt werden, sondern auch Hallenutensilien mussten besorgt werden sowie eine Vielzahl an Schlüsseln und Schlüsselverantwortlichen, um die Hallen für Training und Meisterschaftsspielen auch benutzen zu können.

Betrachtet man die „Spielfeldzeit“ (Anzahl der Felder mal Anzahl der Stunden) kamen wir bezogen auf die ursprünglichen Trainingszeiten auf ca. 48 % bei den Erwachsenen und ca. 60 % bei den Schülern und Jugendlichen, wobei letztere Zeiten vielfach vor 17 Uhr lagen, so dass sie z.B. wegen schulischer Verpflichtungen schwer oder gar nicht wahrgenommen werden konnten. Betrachtet man nur die Spielzeit nach 17 Uhr, so konnten wir dem Nachwuchs leider nur 35 % der früher üblichen Spielzeit anbieten.

Insbesondere konnten wir unserem Nachwuchs auch nur Hallenzeiten anbieten mit jeweils nur zwei Spielfeldern. Dass schränkte nicht nur den Spaß am Spiel ein, weil vielleicht nicht die „richtigen“ Mitspieler bzw. Gegner anwesend waren, sondern erforderte auch, dass wir für den Jugendbereich 8 Übungsleiter benötigten, um alle Trainingszeiten beaufsichtigen zu können, verbunden mit dementsprechenden Mehrkosten für die Badmintonabteilung.

Eine durchgehend effektives Schüler- und Jugendtraining war damit nicht mehr möglich.

Neben der Organisation des Ausweich-Hallenplanes erforderte auch die Rettung des Mannschaftsspielbetriebes außerordentliche Anstrengungen.
38 ausstehende Heimspiele unserer seinerzeit 4 Schüler- bzw. Jugendmannschaften und 3 Erwachsenen-Mannschaften (O19) mussten mit Absprache der gegenerischen Mannschaften verlegt werden.

Auch ein in Zusammenarbeit mit der Kreis-Volkshochschule Viersen angebotener Badminton-Einführungskurs für Erwachsene musste nach einer Trainingsstunde abgebrochen werden.

Leider hat die Situation auch eine Auswirkung auf unsere Mitgliederzahl gehabt. Austritte gibt es immer in einem Verein, sicherlich waren nicht alle auf die Flüchtlingssituation zurückzuführen.
Allerdings konnten wir wie in der Vergangenheit üblich keine werbenden Aktionen durchführen, wie etwa Einführungskurse für Schüler mit der damit verbundenen Information in den Schulen oder Kurse für Erwachsene, Aktionstage oder auch VHS-Kurse, so dass wir seit Beginn der Flüchtlingszeit im September 2015 nur 11 neue Mitglieder begrüßen konnten.

Am 1.7.2015 hatten wir 226 Mitglieder und waren damit einer der zwölf mitgliederstärksten dem Verband seinerzeit angehörigen 582 Badmintonvereine in NRW.
Und im Gegensatz zur landesweiten Entwicklung im Badmintonsport mit aufsteigender Tendenz.
Aktuell haben wir allerdings „nur“ noch 189 Mitglieder.

Ende Februar 2016: Die Flüchtlinge waren nicht mehr da, allerdings mussten die sanitären Anlagen wieder instand gesetzt bzw. renoviert werden. Einmal dabei, wurden vom Kreis Viersen im Wesentlichen auch die Beleuchtungseinrichtung sowie die Heizungsanlage erneuert. Eine Rückkehr in die Halle rückte in weite Ferne.

Jetzt, fast ein Jahr nach dem 11.9.2015 ist alles fertig, wir können voller Freude am 24.8.2016 wieder zurück in „unsere“ Halle.
Allerdings konnte ich an den hoffentlich gründlich gereinigten sanitären Anlagen keine Anzeichen von Renovierung erkennen.

Es bleibt zu hoffen, dass sich der Spielbetrieb von den deutlichen Einschränkungen des letzten Jahres erholt.

Danke an diejenigen, die die umfangreiche Organisationsarbeit mit ihrer Hilfe unterstützt haben.

Manfred Schubert, 22.8.2016

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